Klimawandel – Wegdenken hilft nicht

Wissenschaft sollte eigentlich objektiv und rein auf Fakten bezogen arbeiten. Eigentlich! Doch gerade am Beispiel der Diskussion über die Ursachen und Folgen der Klimaerwärmung erleben wir, wie sehr die Wissenschaft von denen abhängt, deren Geld sie braucht, um forschen und arbeiten zu können. Dabei reihen die einen sich ein in die Liste derer, deren Forschungsgelder nicht zuletzt von industriellen Sponsoren kommen. „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich sing“ – ein uraltes Sprichwort, das sich – leider – immer wieder neu als wahr erweist. Auf der anderen Seite dient die Wissenschaft fast auf prophetische Art und Weise denen, die aus politischen Gründen das Ende der Welt herbei reden, deren politische Geschäftsgrundlage darin besteht, dass es den Menschen angst und bange wird.

Wir lassen beide Lager angemessen zu Wort kommen und versuchen, das herauszukristallisieren, was als erwiesen angesehen werden kann. Wir schließen nicht aus, dass auch uns dabei der eine oder andere Fehler unterlaufen sein kann. Dabei tauchen die aberwitzigsten Szenarien auf, nämlich wenn die Atomlobby und deren politische und wissenschaftliche „Wasserträger“ die Atomkraftwerke preisen als die Lösung gegen die Klimaerwärmung. Nur dass man dabei den einen Teufel austreibt und einen anderen zu sich herein bittet. Dabei werden selbst veraltete Anlagen mit erwiesenen Sicherheitsmängeln als die Alternative zu den fossilen Energieträgern schlechthin angepriesen.  Richtig ist, dass Atomstrom wenig CO² freisetzt. Richtig ist aber auch, dass die Frage der Kernkraftsicherheit und der Entsorgung von radioaktivem Müll immer noch einer Lösung harrt.

Wir wünschen uns, dass jeder sich seine eigene Meinung zum Thema Klimawandel, zu den Ursachen und Folgen sowie zu den geeigneten Handlungsansätze zum Klimaschutz machen kann. Lernen wir deshalb zu unterscheiden zwischen den Argumenten der Energielobby und dem Anspruch der Allgemeinheit auf eine lebenswerte Zukunft. Vergessen wir allerdings dabei nicht, dass es mit einer Diskussion noch nicht getan ist. Alle Vorsätze müssen in praktische Ergebnisse übersetzt werden, von der großen Politik genauso wie von jedem Einzelnen von uns in seinem täglichen Leben.

Dass es Eiszeiten auf der Erde gab, ist seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt. Eine erste, kurze Eiszeit gab es vor 2,9 Milliarden Jah-ren, als Methan mit Kohlenwasserstoff in der Stratosphäre die Sonnenstrahlung von der Erde fernhielt. Eine zweite Eiszeit folgte vor 2,2-2,4 Milliarden Jahren. Sie hat vermutlich mit dem Zerbrechen des Superkontinents Kenorland zu tun. Den Kältetod der Erde verhinderten damals Vulkanausbrüche, die zu einer erhöhten CO²-Konzentration in der Luft führten.

Eine dritte Eiszeitserie erstreckte sich von vor 580-750 Mio. Jahren. Diesmal entging das Leben auf der Erde nur knapp seiner Auslöschung. Die Erde vereiste, wobei der Eispanzer zu weiterer Vereisung führte. Eis reflektierte das Sonnenlicht und warf die Sonneneinstrahlung zurück ins Weltall, ohne dass genügend Wärme absorbiert wurde. Durch die Abkühlung bildete sich noch mehr Eis, ohne dass ein Ende abzusehen war.

Weitere Vulkanausbrüche setzten große Mengen CO² frei. Auf der vereisten Oberfläche konnte es sich nicht mit dem Gestein verbinden, sondern blieb frei in der Atmosphäre und wirkte dort als natürliches Treibhausgas, welches die Eisdecke nach und nach abschmelzen ließ. Nun, da das Eis verschwand und das Gestein wieder zum Vorschein kam, konnte sich das vorhandene CO² wieder an dieses binden, wodurch die Erde erneut abkühlte. Diese Rückkoppelungseffekte führten zu einem gewissen klimatischen Jo-Jo-Effekt, der die Erde stets zwischen Erwärmung und Abkühlung hin und her schwanken ließ.

Manche Menschen glauben nicht an die Folgen des Klimawandels, oder dass er vom Menschen verursacht wurde und wird. Diese “Klimaskeptiker” nennen die wechselvolle Klimageschichte als Grund, den Klimawandel nicht als Problem zu sehen. Bei genauem Hinsehen lehrt die Klimageschichte aber das genaue Gegenteil: Klimaände-rungen können sich mit großer Geschwindigkeit vollziehen, die heute für die Menschheit katastrophale Folgen hätten.

Das Klima der Erde war seit Milliarden von Jahren stabil genug, um Leben auf der Erde zu erhalten; es gab zwar Klimaschwankungen, durch die das Leben wohl mehr als einmal auf der Kippe stand. Der heutige Klimawandel allerdings wird vom Menschen verursacht. Er ist kein Schicksalsschlag, er wäre vermeidbar gewesen und ist zumindest in seinen Auswirkungen zu begrenzen – wenn wir jetzt sofort und nicht erst in einigen Jahrzehnten handeln.

Außerdem zeigen die abrupten Klimawechsel in Grönland während der letzten Eiszeiten, dass das Klima auch sehr empfindlich reagieren kann: Es gibt “Kipp-Schalter” im Klimasystem, deren Umle-gen in der Vergangenheit das Gesicht der Erde mehrfach verändert hat. Das Temperaturmaximum vor 56 Mio. Jahren führte zum Aussterben von zwei Dritteln aller Arten in den Meeren – und auf dem Festland zum Aufstieg der Säugetiere. Das Leben an sich würde zweifellos (wenn auch verändert) einen menschengemachten Klimawandel überstehen; ob dies aber auch für den Menschen und seine komplexen Zivilisationen gilt, ist eine andere Frage.

Klimaveränderungen haben seit jeher nachhaltige Auswirkungen auf die Lebewesen, welche die Erde
bevölkern. Oft gehen sie einher mit dem Verschwinden von einzelnen Arten, manchmal sogar mit dem Auslöschen fast allen Lebens auf der Erde. Einige Ursachen der langfristigen Veränderung unseres Klimas sind unter dem Namen Treibhausgase bekannt. Sie kommen in einer natürlichen Konzentration vor – ihre Konzentration kann aber auch künstlich erhöht werden. Letzteres führt zu einer anthropogenen Klimaerwärmung. In dem leichtsinnigen Maße, wie wir Klimaveränderungen herbeiführen, verändern wir (direkt und indirek) die Voraussetzungen für unser eigenes Leben auf der Erde. Klimaschutz ist daher ein Beitrag, die Lebensbedingungen – von denen wir abhängen – für uns und die nach uns kommenden Genrationen zu erhalten. Eines der wichtigsten Ziele der Umweltpolitik seit Beginn des Jahrtau-sends liegt darin, die Treibhausemissionen zu minimieren. Der vorliegende Artikel möchte darlegen, wie sehr sich die Werte der verantwortlichen Gase im Laufe der Zeit verändert haben.

Nach Wasserdampf ist Kohlendioxid das wichtigste Klima-gas. Seit Beginn der Industrialisierung (im 18. Jh.), ist des-sen Konzentration um mehr als 40% gestiegen. Im Ver-gleich dazu blieb die Konzentration von CO² in den letzten 10.000 Jahren nahezu konstant. Der Anstieg der CO²-Kon-zentration ist einerseits dem Verbrennen fossiler Energien (z.B. von Kohle oder Erdöl) geschuldet. Andererseits muss die Rodung großer Waldflächen ebenfalls als Verursacher der höheren Konzentration von CO² gewertet werden. Beim Wachsen bindet die Pflanze große Mengen an atmosphäri-schen CO². Der Effekt verschwindet mit besagter Rodung.

Kohlendioxid ist eines der Spurengase in der Atmosphäre. Diese besteht zu 78,1% aus Stickstoff (N²) und zu 20,9% aus Sauerstoff (O²). Kohlendioxid ist dagegen mit gerade mal 0,035% natürlichem Vorkommen ein Spurengas, genau wie Ozon (O³), CH4, oder N²O. Lag die CO²-Konzentration vor der Industrialisierung noch bei 280 ppm, so stieg die Kon-zentration bis 2016 bis auf 400 ppm an. Für das Jahr 2011 schätzten Experten, dass rund 35 Milliarden Tonnen CO² emittiert wurden, zzgl. rund 3,3 Milliarden durch die Abhol-zung von Wäldern. Knapp die Hälfte davon wird von der Biomasse (abhängig von den Wachstumszeiten) oder von den Ozeanen aufgenommen.

Da die CO²-Messungen sich durch eine globale Erwärmung des Klimas spiegeln, sind die Messungen dieser Erwärmung ein zuverlässiges Mittel, den Anstieg der CO²-Konzentration zu schätzen. Sie ermöglichen es, natürliche Schwankungen der CO²-Konzentration von anthropogenen Schwankungen zu unterscheiden. Die Aufzeichnung am Ende des Artikels zeigt, dass die CO²-Konzentration immer schneller steigt. Betrug der jährliche Anstieg in 1955 noch 0,55 ppm pro Kubikmeter Luft, so beschleunigte er sich in den Folgejahren bis auf fast 2 ppm pro Jahr. Damit wurde der globale Kohlendioxidanstieg seit 1955 mehr als verdreifacht.

Die auf Einladung des damaligen Präsidenten F. Hollande Klimakonferenz (COP 21) legte in einem völkerrechtlich verbindlichen Abkommen ehrgeizige Ziele fest. Im Dezember 2015 vereinbarte die Staatengemeinschaft in Paris, die akzeptable Klimaerwärmung auf unter 2°C festzulegen. Das bedeutet, dass erheblich Anstrengungen unternommen werden müssen, um unsere Lebens- und Produktionsweise so zu ändern, dass wir unseren Energiehunger deutlich drosseln. Im Klartext läuft eine solche Verpflichtung darauf hinaus, dass der Ausstieg aus den fossilen Energien (Kohle, Erdöl, Erdgas) zielstrebig vorangetrieben wird.

Dabei wird darauf zu achten sein, dass jeder einzelne Staat das Ziel gemäß seinen Möglichkeiten anstrebt. Auf der einen Seite haben wir die traditionellen Industriestaaten mit einem hohen Verbrauch an Energie, aber auch mit besseren Möglichkeiten, die Umstellung auf regenerative Energien und die Energieeffizienz voran zu treiben. Auf der anderen Seiten haben wir die aufstrebenden Staaten, die den wirtschaftlichen Anschluss an die tradi-tionellen Industriestaaten anstreben und die dies nur bewerkstelligen können, wenn ihnen mehr „Verschmutzungsrechte“ zugestanden werden.

Um global das angestrebte Ziel einer 2°C-Ober-grenze erreichen zu können, muss laut Umweltbundesamt die gesamte Treibhausgas-Konzentration (CO², CH4, N²O, FCKW) bis zum Ende des Jahrhunderts bei rund 450 ppm CO²-Äquivalent stabilisiert werden. Das entspricht einer Menge von weltweit 30 bis 50 Milliarden Tonnen Kohlendioxid im Jahr 2030. Bis 2050 muss die Senkung der Emissionen um 40-70% unter das Niveau von 2010 gesenkt werden, um gegen Ende des Jahrhunderts schließlich auf null zu sinken. Angesichts der stärkeren Treibhauswirkung von Methan und N²O wird es darauf ankommen, sich auf diese Gase zu konzentrieren. Dabei ist aber nicht zu vergessen, dass die Umstellung des Verkehrs von Verbrennungsmotoren fossiler Energien (Benzin oder Diesel) auf klimafreundliche Fortbewegungsmittel beschleunigt wird. Und genau hier liegt ein Kern des Problems: viele Ziele zu formulieren ist eines, diese allesamt in praktische Ergebnisse zu verarbeiten ist etwas anderes.

Sei es durch den Bezug von Ökostrom, durch effiziente Heiz- und Warmwasseranlagen, durch Investitionen in erneuerbare Energien oder durch den Einsatz von stromsparender Haustechnik (beim Kühlen, Gefrieren, Kochen, Backen, Waschen, Trocknen  und bei der Beleuchtung oder bei Hifi-Geräten): immer lassen sich Energiesparpotentiale ausfindig machen.

Der Verkehr ist ein besonderes Sorgenkind im Bereich der Treibhausgase. Die meisten Autos fahren mit Benzin oder Diesel, also mit fossilen Treibstoffen, deren Verbrennung Treibhausgase freisetzt. Für den Individualverkehr kann man auf sparsame und CO²-arme Motorentechnik setzen, auf Erdgas oder LPG umsteigen oder gar auf Elektromodelle oder Hybridtechnik umsatteln. Ferner besteht die Möglichkeit (weniger in Ländlichen als in städtischen Gebieten), per Bus, Tram oder Zug zu fahren, bzw. Mitfahrgelegenheiten zu nutzen.

Wer klimabewusst isst, greift auf regionale Produkte zurück, orientiert sich punkto Nahrungsmittel an den Jahreszeiten, kauft Bio-Lebensmittel oder Produkte ohne Pestizide, ohne Düngemittel und ohne Gentechnik. Jedem steht eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten zu klimabewusster Lebensweise zur Verfügung.

Ein Anstieg der globalen Temperaturen hat auch eine Zunahme von wetterbedingten Extremsituationen in einigen Regionen der Erde zur Folge. Es handelt sich hierbei nicht um abrupte Folgen, sondern um Entwicklungen, die sich über Jahr(zehnte) einstellen. Um Folgen also, an die man sich erst mal gewöhnt, bevor einem auffällt, dass es eine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen der Klimaerwärmung und den Wetterextremen handelt. Es handelt sich dabei um starke Niederschläge, heftige Stürme (Hurrikane im Atlantik, Taifune im Pazifik), Hochwasser und Überschwemmungen, Dürren und außergewöhnliche Hitze- und Trockenperioden. Solche Wetterereignisse werden in Zukunft an Häufigkeit und Intensität zunehmen.

Ein einzelnes Wetterereignis kann noch nicht als Indiz für eine Klimaveränderung genommen werden, wohl aber die Häufung solcher Ereignisse. So haben während der letzten Dekaden starke Tropen- und Winterstürme an Heftigkeit und Zerstörungskraft zugenommen. Wir erinnern uns in 2005 an Hurrikan Katrina in den USA (mit Schäden, die mehr als 1.000 Menschenleben forderte und weit über 150 Milliarden Dollar verursachten). Der Sturm Kyrill über Europa in 2007. Oder die Elbeflut von 2002. Dies sind einige Vorboten von Wetterextremen, wie sie in einiger Zeit häufig auftreten können.

Derzeit haben mehr als 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Bei zunehmendem Klimawandel wird sich diese Situation drastisch verschlimmern. Die feuchten Tropengebiete sowie die hohen Breitengrade werden vermutlich 10-40% mehr Wasser haben, während die mittleren Breiten und die trockenen Tropen mit einem verschärften Wassermangel konfrontiert sein werden. Die steigenden Temperaturen werden sich auf die Niederschlagsmengen auswirken und in verschieden Zonen des Erdball zu akuter Unterversorgung mit sauberem Trinkwasser führen.

Schon mit einer Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur um 2°C muss davon ausgegangen werden, dass bis zu 1,5 Milliarden Menschen betroffen sein werden – trotz sparsamerem Wasserverbrauch und verbesserter Speichertechniken. Ganz besonders betroffen sind Regionen, deren Trinkwasserversorgung vom Schmelzwasser großer Gletscher abhängt. Bis zum Ende des Jahrhunderts ist mit einer deutlichen Abnahme dieser natürlichen Wasservorräte zu rechnen. Umgekehrt ist damit zu rechnen, dass die Gebiete, in denen Trockenheit und Dürre herrschen, an Fläche zunehmen werden. Indes ist in anderen Orten der Welt mit einer drastischen Zunahme der Niederschlagsmengen zu rechnen – inklusive verschiedener Folgen wie Überschwemmungen breiter Landstriche und zunehmende Risiken entlang der über die Ufer tretenden Wasserläufe.

Im letzten Jahrhundert stieg der Meeresspiegel um 12-22 cm. Die Messungen des Meeresspiegels per Satellit ergeben, dass er pro Jahr um etwa 3-4 mm ansteigt. Wie kommt das? Zum einen verursacht das Schmelzen der Gletscher, dass mehr Wasser in die Ozeane fließt. Einen großen Einfluss haben die Festlandeisschilde von Grönland und der Antarktis. Zum anderen kommt ein physikalisches Gesetz zur Anwendung: jeder Körper, auch eine Wassermenge, dehnt sich aus, wenn sie wärmer wird – so auch die in den Ozeanen enthaltene Wassermenge. Ungefähr die Hälfte des aktuell gemessenen Anstiegs des Meeresspiegels geht auf das Konto dieses physikalischen Gesetzes. Je mehr die Ozeane CO² und damit einher auch Hitze absorbieren, umso schneller wird der Meeresspiegel steigen.

Zurzeit sind fast eine Milliarde Manchen unterversorgt. Dabei weiß der Mensch schon seit Jahrtausenden, dass das Klima für den erfolgreichen Anbau von Nahrungsmitteln und somit für die Versorgungssicherheit eine entscheidende Rolle spielt. Sowohl die Temperatur, die Niederschlagsmengen, die Entwicklung der Parasiten aber auch die für Bestäubung zuständigen Insekten werfen Fragen auf. Bei den Bestäuber-Insekten hat ein dramatisches Sterben eingesetzt, wobei nicht nur die Varoa-Milbe oder der genmanipulierte Mais oder der Einsatz von Neonicotinoïden (Pestizide, die wie Nerven-gifte wirken) eine Rolle spielen, sondern auch der durch Klimawandel verursachte Stress. So kommt es, dass manche Insekten-Völker noch nicht soweit sind, aber die Blüten durch Verschiebung der Keim- und Wachstumsperioden bereits da sind. Das von der Natur eingespielte Timing gerät aus den Fugen, mit schleichenden Folgen für die Erträge z.B. im der Agrarwirtschaft.

Auch die Zusammensetzung der Luft beeinflusst Menge und Qualität der erzeugten Nahrungsmittel. Bei einer Zunahme von 3°C rechnet man damit (je nach Nutzpflanzenart), dass zwar mehr Ertrag eingefahren wird, dass aber die Qualität der Nahrungsmittel leidet. Steigt die mittlere Temperatur über dieses Limit, wird auch die Ertragsmenge rückläufig sein.

Aufgrund von Extremwetterlagen muss in den südlichen Breitengraden mit der bisweilen verschärften Abnahme von Ernteerträgen gerechnet werden. Hungersnöte können zunehmen. Aber auch die Versorgung Europas z.B. mit verschiedenen Obstsorten oder mit Kaffee wirft Fragen auf. Bei einem Plus von 2°C besteht die Gefahr, dass Uganda nur noch wenig Kaffee – Exportgut N°1 – anbauen kann.
Durch die prognostizierten Klimaveränderungen werden mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Nahrungsmittelversorgung in Afrika (insbesondere in den Trocken- und Wüstengebieten Nordafrikas) zu rechnen sein. In den auf Regenfeldbau angewiesenen Regionen werden die landwirtschaftlichen Erträge nicht mehr ausrei-chen, um die dort ansässige Bevölkerung zu ernähren.

Europa muss sich folglich darauf einstellen, in Zukunft mit noch mehr Flüchtlingen aus dem Norden Afrikas klar zu kommen. Im Zuge der Klimaveränderung verschieben sich sowohl die Klima- als auch die Vegetationszonen – sei es in Richtung der Pole, sei es in größere Höhen, sei es durch eine Verschiebung der klimatischen Jahreszeiten. Frühlingserscheinungen treten früher ein, so etwa Blattentfaltung, Pflanzenblüte, Vogelzug, Brutverhalten usw. Das bleibt nicht ohne Folgen auf die landwirtschaftliche Produktion, denn nicht allen Arten von Tieren oder Pflanzen ist eine schnelle Anpassung an diese Folgen des Klimawandels gegeben. Ein Kurzbericht aus Kamerun: „Heute ist es nicht mehr möglich, den Beginn der Regenzeit genau vorher zusagen. Früher geschah dies gegen Mitte März. Wenn aber der Regen zu früh einsetzt und es dann viel, zu viel, regnet, können die Bauern den Boden nicht bearbeiten und auch nicht aussäen. Oder die Ernte verdirbt, Mais schimmelt, usw.“

Alle Menschen wissen es. Abhängig vom Wetter und vom Klima, von Regen und Sonnenschein, von Hitze und Kälte sie sie gesünder oder kranker, fühlen sich besser oder schlechter. Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen hängt von in Zukunft mehr denn je von extremen Wetterverhältnissen (z.B. Hitzewellen) oder von neu oder vermehrt auftretenden Erregern, von der Qualität der Nahrung und der Luft, der UV-Strahlung und von der Qualität des Wassers ab. Ob der Mensch sich genug an die neuen Gegebenheiten anpassen kann?

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit sind durch zahlreichen Studien belegt. Besonders geht es dabei um die Auswirkungen der Hitze und ihrer Begleiterscheinungen, wie Dürre, Trinkwassermangel usw. Alle sind hellhörig, wenn im Winter Menschen draußen übernachten müssen. Doch sollten wir nicht genauso zuhören, wenn Menschen gegen übermächtige Hitze ankämpfen, sogar um ihr Überleben kämpfen müssen. Genauso wie im Winter steigt die Sterberate im Sommer. Gegen Kälte kann man sich noch halbwegs schützen, gegen Hitze ist das schwieriger – außer in klimatisierten Räumen. Dann aber droht mitten im Sommer den Empfindlichen der Sommerschnupfen.

Direkt betroffen sind überwiegend Menschen mit Atemnöten und mit Beschwerden des Herz-Kreislaufsystems. Mit zunehmendem Alter nimmt die Bedrohung zu. Auch Kleinkinder, die ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren können, sind betroffen. Asthmaprobleme, allergische und chronische Erkrankungen im Bereich der Atemwege sowie Infarktrisiken sind an der Tagesordnung.

Indirekt betroffen sind alle, weil mit der Erhöhung der durchschnittlichen Temperaturen auch die Zahl der potentiellen Krankheitserreger steigt, und mit ihnen das Ausmaß von Infektionskrankheiten (oft verbunden mit Durchfall). So steigt z.B. die Zahl der Zecken und der Zeckenbisse. Die Folge ist u.a. eine Zunahme von Borreliose und Hirnhauterkrankungen. Aber auch Mücken, Zwischenwirte für viele Krankheitserreger, vermehren sich besser. Bereits sicher geglaubte Gebiete können erneut von Malaria oder anderen Erkrankungen heimgesucht werden.

Allgemein sinkt die Leistungsfähigkeit des Menschen, sein Wohlbefinden gerät unter Stress und für manchen mit geschwächtem Immunsystem (geschwächte körpereigene Abwehr von Krankheiten und geringere Anpassungsfähigkeit an gesundheitliche Stressfaktoren) entwickelt sich das Risiko einer simplen Erkrankung zum Sterberisiko. So mussten z.B. für das Jahr 2003 bis zu 50.000 Hitzetote verzeichnet werden.

Nach Meinung des Professor Jean-Pascal van Ypersele (Professor an der UCL und international renommierter Wissenschaftler im Bereich Klimawandel) werden in Zukunft mehr Menschen in der Folge des Klimawandels mit gesundheitlichen Risiken konfrontiert. Er befürchtet, dass Hitzeperioden in Europa häufiger auftreten können, sodass die gesundheitlich fragilen Personen größere Risiken eingehen, da sie den Stress von Hitzeperioden nicht ertragen. Der Professor: „wenn wir nichts unternehmen, werden wir den Klimawandel mit mehr Menschenleben, mehr Verlust an Ökosystemen […] bezahlen. Wir müssen den CO²-Ausstoss bis 2050 um 85 % senken, sonst kann die mittlere Temperatur bis zu 4-6 Grad steigen. Die Technik ist vorhanden. Ihr Einsatz kostet unter 0,12% des weltweiten BIP“.

Bürgerinitiativen haben die Absicht, die Entscheidung nicht nur der Politik zu überlassen. Sie mischen sich ein. Ich kann meine Stimme hören lassen. Bürgerinitiativen oder Verbraucherverbände können für mehr Klimaschutz (im eigenen und fremden Land) und gegen Energieverschwendung, bzw. für Ökostrom eintreten.

Umwelt- und Verbraucherverbände arbeiten meist zeitlich auf lange Dauer, indes Bürgerinitiativen eher von kurzfristiger Natur sind. Ausnahmen bestätigen die Regel. Sie helfen dabei, sich zu vernetzen, Informationen auszutauschen, gemeinsam zu handeln oder Argumente zu prüfen. Gemeinsam kann jeder mehr erreichen als jeder für sich.

Ich kann auf die Medien einwirken, damit diese mehr Hintergrundinformationen liefern, anstatt bei der schnellen und oberflächlichen Information (bei der Schlagzeile) zu bleiben. Ich brauche unbedingt eine Alternative zu Unwissen.

Während die Niederschläge in den nördlichen Breitengraden zu Überschwemmungen führen, sind aufgrund ausbleibender Niederschläge in südlicheren Zonen Dürrekatastrophen, Wüstenbildung und Erosion der Böden zu befürchten. Damit geht ein Rückgang der Landwirtschaft einher. Und wo die Lebensbedingungen sich katastrophal verschlechtern, da ist Migration vorprogrammiert. Verlässliche Zahlen können z.Z. zwar nicht geliefert werden, doch sind laut Flüchtlingskommissariat aktuell bis zu 24 Millionen Menschen wegen Hochwasser, Hungersnöten oder wegen anderer Umweltfaktoren zu Migranten geworden. Hinzugezählt werden müssen die 25 Millionen Binnenflüchtlinge, die ihre Heimat aufgrund von Naturkatastrophen verlassen haben, aber noch immer innerhalb desselben Staates um ihr Überleben kämpfen. Bis 2050 rechnet der Weltklimarat mit 150 Millionen Klimaflüchtlingen. Besonders betroffen sind laut Prognosen die schwach entwickelten Inselstaaten, die Staaten südlich der Sahara, asiatische Küstenstaaten sowie der Nahe und Mittlere Osten.

In Europa müssen wir davon ausgehen, dass rund 13-15 Millionen Menschen das Risiko laufen, aus ihrer Heimat vertrieben zu werden, weil sie in tiefer gelegenen Küstengebieten, so etwa in den Niederlanden oder Dänemark, oder in Tiefebenen wie etwa Norddeutschland leben. Auch wenn der Meeresspiegel nur um einen einzigen Meter ansteigt (wie es bei der Zunahme der durchschnittlichen Temperatur um 2-3°C zu erwarten ist), macht dieser Meter aus solchen Regionen Überflutungsgebiete. In anderen Teilen der Erde werden die Menschen mit akuter Süßwasserknappheit zu kämpfen haben. Bereits heute leben 1,2 Milliarden Menschen in Zonen, in denen Süßwasserknappheit herrscht.

Betroffen davon sind vor allem afrikanische Staaten unterhalb der Sahara, Staaten aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Lateinamerika. Diese Staaten sind mit einer Zunahme der Bevölkerung konfrontiert, insbesondere mit einem wachsenden Anteil an Jugendlichen. Hier stellen wir z.B. eine starke Abwanderung hinein in die Städte fest, was natürlich zu ethnischen, religiösen und zivilgesellschaftlichen Spannungen führt. Die Zahl dieser Flüchtlinge erreicht inzwischen Hunderte von Millionen Menschen. Entscheidend wird sein, ob es den betroffenen Gesellschaften gelingt, sich den neuen Gegebenheiten schnell und erfolgreich anzupassen. Falls dies ohne Erfolg bleibt, sind die Risiken für die Bevölkerung entsprechend groß. Zu den Anpassungsbemühungen zählen nicht nur die kurzfristigen Szenarien im Umgang mit Katastrophen, d.h. Rettungspläne, Evakuierungsszenarien und Frühwarnsysteme (wie sie z.B. nicht funktioniert hatten, als der Tsunami aufgrund eines Seebebens im indischen Ozean ganze Küstenregionen zerstörte und bis zu 165 000 Menschen in den Tod riss, bzw. 1,7 Millionen Menschen obdachlos machte).

Denn nicht nur akute Katastrophen, sondern auch der langsame und langfristigen Zusammenbruch von Lebensräumen wird Migrationen auslösen, wobei in diesen Fällen nicht genau unterschieden werden kann; ist es nur der Klimawandel oder sind auch die politischen und sozialen Strukturen Faktoren, die zum Auswandern führen? Generell kann man davon ausgehen, dass ein langfristiges Verlassen der Heimat nur durch einen Mix an verschiedenen Motiven erklärt werden kann, und nicht durch ein einziges.

Das Flüchtlingskommissariat identifiziert vier Hauptgründe zur Klimaflucht:

  1. Katastrophen wegen Überschwemmungen und ungewohnter Niederschlagsmengen,
  2. Verschlechterung der Umweltbedingungen (nicht zuletzt für die Nahrungsmittelproduktion),
  3. Verlust an bewohnbaren Gebieten (insbesondere in flachen Küstenregionen),
  4. bewaffnete Konflikte im Kampf um – immer knapper werdende – natürliche Ressourcen (Rohstoffe, Erze und Energiequellen).

Belgien (schon länger), Deutschland und die Schweiz (nach der Katastrophe von Fukushima) haben beschlossen, aus der Kernkraft auszusteigen. In Belgien gleicht die Diskussion einer Echternacher Springprozession – zwei Schritte nach vorn, einer zurück. Dafür kauft Belgien bei Engpässen in der Versorgung Atomstrom aus Frankreich ein. In Deutschland wird in großem Umfang Strom mittels Verbrennung von (Braun)Kohle erzeugt. Ist Kohlestrom die Alternative zum Atomstrom? In Frankreich denkt man nicht daran, aus der Atomkraft auszusteigen.

Ist Atomstrom die bessere Alternative zur Nutzung fossiler Energien. Die Befürworter sagen, Atomstrom verursache keine Klimaerwärmung. Stimmt das? Oder ist es besser, auf Kohlestrom zurück zu greifen, die Luft zu verpesten, als einen Atom-GAU zu riskieren? Sind Atomzentralen  angesichts der Endlichkeit fossiler Energien ein Zukunftsmodell? Oder angesichts der ungelösten Endlagerung von Atommüll ein Auslaufmodell? Die Suche nach einer Antwort auf diese Fragen wird mit viel Leidenschaft, aber nicht immer mit Argumenten geführt – weder von Seiten der Atombefürworter noch von Seiten der Atomgegner.

Atomstrom, der in alten Anlagen erzeugt wird, ist billig im Vergleich zu Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Daran ist nicht nur die Wirtschaft (insbesondere die energieintensiven Betriebe aus dem Bereich der Chemie und der Pharmazeutik) sondern auch der private Verbraucher interessiert. Abe er ist auch riskanter. Das illustrieren die Debatten um die Risse in den Druckbehältern der Reaktoren von Doel und Tihange. Anlagen dieses Typs gibt es auch in anderen Ländern, so etwa in Frankreich. Hier wird jedoch kaum über die Defekte de Anlagen berichtet. Schwellenländer wie Indien, Brasilien und China haben Atomprogramme beschlossen, sie aber z.Z. nur zum Teil verwirklicht. Das umfangreichste Programm hat China, dessen 16 AKW gerade mal 1.8% der Stromabdeckung ausmachen. Weitere 26 Meiler sind im Bau.

Gerade jetzt ist die Zeit günstig, auf Energieeffizienz und auf die Erzeugung regenerativer Energien zu setzen. Je mehr aber die Übergangsphase zwischen der fossilen Energie hin zur erneuerbaren Energie mit Kohle oder mit Gas überbrückt wird, umso nachhaltiger wird das Umschalten auf die neuen Energien immer wieder auf morgen und übermorgen vertagt werden können. Dabei spielen Arbeitsplatzargumente ebenso eine Rolle wie der Preis für ein Megawatt Energie. Die Gewerkschaften argumentieren, dass es unmöglich ist, die Arbeiter aus den Kohlebergwerken kurzfristig auf neue Technologien umzuschulen. Die Arbeitgeberorganisationen befürchten Wettbewerbsnachteile, wenn neben den Lohnkosten nun auch noch die Energiekosten teurer sind als bei den wichtigsten Handelspartnern.

Je mehr ein Land in erneuerbare Energien investiert, umso schneller braucht es Kapazitäten zur Stromspeicherung. Erneuerbare Energie ist unbeständig; sie zu speichern oder effizient zu nutzen erfordern neue technische und organisatorische Leistungen. Diese Techniken, der Energieerzeugung als auch der Energiespeicherung, benötigen Fachkräfte, damit sie aufgebaut und ständig in Aktion gehalten werden können. Arbeitsplätze, die auf der einen Seite verloren gehen, werden auf der anderen Seite geschaffen. Stellt sich die Frage, ob und inwieweit weniger gut qualifizierter Arbeiter gegen hoch qualifizierte eingetauscht werden. Dabei wird es, ohne Ausbildung und Qualifizierung, Gewinner und Verlierer geben.

Ebenso wie bei der Energieeffizienz. Neben dem Bereich der Wärmedämmung von Gebäuden oder dem Bau von Niedrigenergie-Häusern lieg das größte Einsparpotential beim umweltfreundlichen Verkehr. Die Folge: wir brauchen mehr und mehr Fachkräfte in der Dämm- und Klimatechnik, und mehr und mehr Automechaniker mit Computerwissen für Elektrofahrzeuge oder Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb.

So konnten z.B. in der Universität Aachen (RWTH) Elektrofahrzeuge entwickelt werden, die zu erschwinglichen Preisen gekauft werden können. Zu zitieren wäre das das Nutzfahrzeug „street scooter“, welches von der deutschen Post in Serie hergestellt wird. Die Post denkt nun daran, den „street scooter XXL“ zu entwickeln, also die LKW-Variante des bisherigen Nutzfahrzeugs. Nach dem „street scooter“ wurde in derselben Abteilung der „e.Go live“ entwickelt, ein Elektrofahrzeug, das für den privaten Nutzer (vorläufig für innerstädtische Kurzstrecken als Zweitauto in der Familie) gedacht ist. Dies sind die Anfänge von größeren Umwälzungen unserer Lebensweise und unserer Gewohnheiten. Sie bieten mehr Chancen als Risiken, spätestens dann, wenn Diesel definitiv verboten und Benzin unerschwinglich wird – falls wir den Aufsprung auf den Zug nicht verschlafen.

Da die Sonne im Sommer senkrechter über unsere Dächer scheint, ist der Einstrahlungswinkel ein günstigerer als im Winter, wo die Sonne nur einen flachen Einstrahlungswinkel erreicht. Diese jahreszeitliche Veränderung ist beim Anbringen von Solartechnik ebenso zu beachten wie die optimale Südausrichtung solcher Anlagen. Überdies existieren Potentiale, die sich aus der passiven Nutzung der Sonnenenergie ergeben. Bei der aktiven Nutzung wird Sonnenenergie direkt in Strom oder Warmwasser verwandelt. Bei der passiven Nutzung speichern Baumaterialien die Sonnenergie tagsüber und strahlen sie in den Abendstunden wieder ab. Man nennt dies auch „thermische Trägheit“. Diesen Effekt gibt es auch umgekehrt, wenn im Sommer die Temperatur drinnen immer noch frisch ist, obwohl draußen die Hitze brütet. Da die Sonne tagsüber Energie liefert, nachts jedoch nicht, sind die Solaranlagen darauf angewiesen, tagsüber getankte Energie zu speichern, damit sie für den nächtlichen Gebrauch verfügbar ist.

Weniger bekannt ist die passive Nutzung der thermischen Energie, die uns die Sonne liefert. Hierbei geht es um die Nutzung des Prinzips der thermischen Trägheit, wie sie massereichen Baumaterialien innewohnt. Ein thermisch träges Gebäude braucht länger, um aufzuheizen, bleibt als länger frisch und spart somit Energie von eventuellen Klimaanlagen. Ist es aber mal aufgeheizt, braucht es wiederum länger, bis es abgekühlt ist: ein Effekt, den man sich im Winter zunutze machen kann, indem man an der sonnigen Südseite der Wohnung hinter einer offenen Fensterfassade (oder hinter einer Veranda) passende Baumaterialien anbringt. Diese sind in der Lage, die Energie der Sonne tagsüber zu speichern und abends wieder abzugeben. Dieser Effekt wird in der Architektur noch zu wenig genutzt, obwohl er wesentliche Beiträge zur Energieversorgung leisten kann. Darüber hinaus ist das Sonnenlicht wegen seiner Farbanteile gesunder für unsere Augen als Kunstlicht.

Jede, auch noch so kleine Kaufentscheidung ist eine Entscheidung für oder gegen den Klimaschutz. Hier einige Beispiele aus den Bereichen Bauen und Wohnen, Energie, und Mobilität.

Ein altes Haus kann energetisch nachgebessert werden (vielleicht nicht auf Passivhausstandard, aber ggf. auf den Standard eines Niedrig-Energiehauses). Es ist wichtig, dass zuerst Energie eingespart wird, bevor in teure Technik für alternative Energiequellen investiert wird.

Bei Neubauten stellt sich die Frage, ob ein Passiv-Haus oder ein Plus-Energie-Haus gebaut werden soll. Es handelt sich um besonders energiesparsame Wohnungen, die wenig oder gar keine Treibhausgase in die Luft abgeben, und die deshalb nicht zur Klimaerwärmung beitragen.  Zwar verursachen diese Wohnungen beim Bau einiges an Mehrkosten, die aber im Verlauf der Jahre in Form von Energieeinsparungen zurück erhalten werden, oder gar mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen.

Egal ob Kauf, Neubau oder Renovierung, immer stellt sich die Frage, ob die Größe der Wohnung dem tatsächlichen Bedarf angemessen ist. Überdimensionierte Wohnungen sind stets Energieschleudern und Verursacher unnötiger Klimaerwärmung.

Die Ausgabe ist ebenfalls kostenlos als Druck erhältlich.

Bei Interesse bitte an kontakt@kap-eupen.be wenden.

Vier Schritte zu einer erfolgreichen Umstellung zu erneuerbaren Energien

Wer „Strom“ sagt, sagt auch „Transport und Verteilung des Stroms bis hin zum Endverbraucher“. Die erste Phase wird folglich darin bestehen, die Stromnetze nicht nur innerhalb Belgiens auszubauen, sondern den belgischen Energiemarkt innereuropäisch besser zur vernetzen, indem hochleistungsfähige Transportleitungen für Strom gebaut werden. Belgien kauft z.Z. den Strom in Frankreich ein und wird von dort mit Atomstrom beliefert.

Wo aber ist das Interesse, die Atommeiler in Belgien abzuschalten, wenn dann Strom aus französischen Atommeilern angekauft wird? Dies wäre lediglich eine Verlagerung des Problems, nicht aber dessen Lösung – abgesehen vom Alter der Anlagen. Wenn man nun davon ausgeht, dass im Süden Europas die Fotovoltaik ertragreicher ist während im Norden die Windkraft gute Ergebnisse erzielt, dann muss man anerkennen, dass regenerative Energiequellen lokal zwar unbeständig sind, dass sie aber großräumig zuverlässiger produzieren, weil immer irgendwo in Europa Wind herrscht, insofern es möglich ist, den Windstrom vom Norden zum Süden hin zu transportieren oder tagsüber den Solarstrom vom Süden hin zum Norden.

Ein solches Modell der innereuropäischen Vernetzung stößt zwar immer wieder auf die Kritik, man solle sich nicht von Energieimporten abhängig machen, doch muss man davon ausgehen, dass Gasimporte aus Sibirien uns abhängig machen, während Stromlieferungen aus Nachbarländern innerhalb der EU durch partnerschaftliche Handelsbeziehungen zur Normalität gehören (sollten).Eine Transportleitung namens ALEGrO I befindet sich z.Z. zwischen Deutschland und Belgien im Bau, ebenso wie eine Transportleitung zwischen Belgien und Großbritannien. Bis dato konnte Strom aus Deutschland nur über den Umweg über die Niederlange geliefert werden. Will Belgien jedoch den geplanten Ausstieg aus der Atomkraft ohne französischen Atomstrom umsetzen und Kraftwerke in Tihange oder Doel endgültig schließen, wird eine weitere Transportleitung zwischen Deutschland und Belgien zu überlegen sein (ALEGrO II).

Es wird unmöglich sein, bis 2030 oder bis 2035 die nötigen Anlagen zu bauen, um den gesamten Bedarf nach Energie ausschließlich aus regenerativen Quellen zufrieden zu stellen. Wir brauchen folglich ein Übergangsszenario. Das wird darin bestehen, dass Gaskraftwerke errichtet und gleichzeitig Atom- und Kohlekraftwerke abgebaut werden. Kraftwerke, die auf Basis von Erdgas Strom erzeugen, sind sowohl für das Erdklima als auch für die Gesundheit erträglicher. Einerseits sind die Emissionen von Treibhausgasen geringer, andererseits werden weniger Stickoxide in die Luft abgegeben. Darüber hinaus bieten Gaskraftwerke den Vorteil, dass sie relativ schnell rauf und runter gefahren werden können. Sie reagieren schnell auf die Schwankungen der Nachfrage nach Strom.

Parallel zu den Gaskraftwerken können Biomassekraftwerke (sie funktionieren hauptsächlich auf Basis von Holz) oder Biomethanisierungsanlagen (hier wird aus organischem Abfall Methan produziert) eingesetzt werden. Dabei muss daran erinnert werden, dass nicht hochwertiges Holz verfeuert wird, das nachher der holzverarbeitenden Industrie (Möbel, Verpackungen, Papier, Baustoffe usw.) überall fehlen wird. Denn die Zuwachsrate der Wälder (jährliche Holzproduktion) ist begrenzt und ein übermäßiger Abbau dieser Ressource wäre fatal, gerade auch aus klimapolitischer Sicht. Und es wird darauf zu achten sein, dass keine mit Mikroplastik vermischten Gärreste aus Biomethanisierungsanlagen auf die Felder ausgebracht werden, da sich ansonsten Mikroplastik zu Nanoplastik verändert, von den Nutzpflanzen aufgenommen wird und somit in den Nahrungskreislauf gerät.

Schließlich könnte man auch auf das Konzept des Schwarmstroms zurückgreifen. Beim Schwarmstrom werden tausende Kleinstanlagen so genutzt, dass sie per Funk an und ausgeschaltet werden können, je nachdem wie groß der Strombedarf im jeweiligen Moment ist. Die Kleinstanlagen stehen in Betrieben, privaten Wohnhäusern, Verwaltungseinheiten und bilden – als gemeinsames Ganzes – den besagten Schwarm.

Bei mehreren tausend Kleinstanlagen kommt eine Gesamtkapazität zusammen, die einer Großanlage entspricht. Bei all diesen Techniken ist es jedoch nur dann sinnvoll, Strom zu erzeugen, wenn gleichzeitig die Hitze sinnvoll genutzt wird. Wenn die Hitze sinnlos durch den Kamin entweicht, wird nur ein Bruchteil der im Brennmaterial enthaltenen Energie genutzt, während der Rest verpufft und die Luft belastet.

Es gilt, die Nachfrage nach Energie besser steuern. Warum muss der Kühlschrank oder die Waschmaschine genau dann laufen, wenn zu wenig Strom im Netz ist und Strom zugekauft werden muss?

Warum kann nicht das Haushaltsgerät genau dann aktiviert werden, wenn zu viel Strom im Netz ist, der unbedingt verbraucht werden muss, um den Kollaps der Netze zu vermeiden? Es ist doch unwichtig, ob die Waschmaschine um 7 Uhr, um 10 Uhr, oder um 13 Uhr startet, es sei denn, sie muss per Fernsteuerung genau dann gestartet werden, wenn der Zeitpunkt günstig ist. Per Fernsteuerung, indem von den Stromverteilern ein Signal über das Netz geschickt wird, welches die Maschine in Gang setzt. Oder per App, indem der Besitzer z.B. per Handy seiner Maschine den Befehl erteilt, zu starten.

Es dürfte möglich sein, einen Teil des Verbrauchs, der zu Spitzenzeiten anfällt, mit Hilfe solcher Technik auf andere Zeiten zu verlagern. So muss sich die Energieerzeugung nicht mehr danach richten, wieviel in Spitzenzeiten benötigt wird. Allein eine intelligente zeitliche Steuerung der Nachfrage macht es möglich, überzählige Kraftwerke (oder einzelne Kapazitäten) abzuschalten, Energie einzusparen und klimaschädliche Emissionen zu verringern. Was heute bereits klappt, ist die Aufteilung der Verbrauchszeiten in Tages- und in Nachstromzeiten. Der Verbraucher wird angeregt, den Energieverbrauch seiner Geräte auf die Zeiten zu verlegen, wo der Strompreis günstiger ist – im vorliegenden Fall in der Nacht und an Wochenenden. Warum aber nicht vom Doppeltarif auf z.B. den Dreifachtarif umzusatteln? Weshalb nicht dann, wenn zu viel Strom im Netz ist, den Strom billiger anbieten und so den Verbraucher zu ermuntern, genau dann den Strom zu nutzen, um die Netze zu schützen?

Warum nicht den Verbrauch so steuern, dass er genau dann hochfährt, wenn die regenerativen Energiequellen am meisten liefern?

Wir erinnern uns an die Unbeständigkeit der regenerativen Energiequellen. Je mehr Fotovoltaik-Anlagen angeschafft werden, umso dringender wird es sein, an sonnenreichen Sommermittagen möglichst viel Strom zu verbrauchen. Genauso ist es im Bereich der Windkraft. Technisch ist es möglich, aber es muss politisch noch gewollt werden.

Es gibt grundsätzlich zwei Arten, Elektrizität zu speichern: als Elektron in Batterien – oder durch Umwandlung in andere Energieformen. Die Frage liegt hier bei der Kosten: wie (finanziell) aufwendig ist die Speicherung von Strom in dem ersten oder dem zweiten Fall? Eine erste Form der Speicherung liegt auf der Hand, ist aber umstritten: überschüssigen Strom kann man in Wärme umwandeln („power to heat“), sei es in Form von Warmwasser oder von Wasserdampf.

Im ersten Fall kann das Warmwasser per Fernwärmeleitung direkt zum Heizen in die Haushalte geliefert werden. Im zweiten Fall kann der Dampf als Prozessenergie eingesetzt werden. Wirtschaftlich wäre Prozessenergie die einfachste Form: Elektrizität als Hitzequelle nutzen. Sinnvoll ist sie jedoch nur, wenn nicht ein künstlicher Überschuss erzeugt wird, den man danach einfach nur loswerden muss. Es ist jedoch machbar.

Um tägliche Schwankungen auszugleichen, können kurzfristig speichernde Batterien eingesetzt werden. Warum nicht den überschüssig produzierten Strom einer Fotovoltaik-Anlage in eine Batterie einspeichern, die nachts die Kühltruhe mit Strom versorgt? Kann man eine Flotte von Elektrofahrzeugen als Speicher nutzen, so dass das Elektroauto den Strom nicht nur speichert, sondern ihn auch wieder bei Nachfrage abgibt? Das Auto wäre nicht mehr nur ein Fortbewegungsmittel sondern auch ein Stromspeicher. Die Flotte an Elektroautos ist z.Z. unbedeutend, kann aber als globaler Energiespeicher an Bedeutung gewinnen, wenn wir von einer Vielzahl von Fahrzeugen ausgehen. Sobald der Anteil an regenerativen Energie zunimmt, dann brauchen wir Großspeicher oder eben einen Schwarm an Kleinspeichern, die zusammen gekoppelt einen Großspeicher ergeben.

Diese Technik eignet sich allerdings kaum für eine Speicherung über die Jahreszeiten hinweg, da sie nur mit begrenzten Mengen an Energie arbeitet.

Eine weitere Technik nennt sich „power to gas“: Strom wird in Gas umgewandelt. Das Gas dient danach als Brennstoff oder wird durch Rückverwandlung wieder zu Strom – allerdings mit erheblichen Effizienzverlusten. Diese Technik kann als Grundlage für die langfristige Speicherung der Energie über die Jahreszeiten hinaus gelten. Die Erzeugung von Gas in den Momenten, wo Strom im Überschuss vorhanden ist, kann mittels Speicherung dazu beitragen, dass z.B. im Sommer die Energievorräte für den Winter angelegt werden.

Das Prinzip funktioniert so: Strom wird genutzt, um per Elektrolyse Wasser (H²O) aufzuspalten in Sauerstoff (O²) und Wasserstoff (H) – ein energiehaltiges Gas. Wasserstoff reagiert mit Sauerstoff zu Wasser. Diese Reaktion ist bei Umgebungstemperatur außerordentlich langsam. Mit Hilfe eines Katalysators oder eines elektrischen Funkens lässt sich die Reaktion beschleunigen und die Reaktion verläuft explosionsartig.

Die wichtigste Anwendung von Wasserstoff ist die Ammoniaksynthese. Wasserstoff findet zunehmend Anwendung bei der Kraftstoffveredelung, beim Cracking (Hydrocracking) und in der Schwefeleliminierung. Sehr große Mengen Wasserstoff werden bereits heute in Verbindung mit Sauerstoff oder Fluor als Raketentreibstoff, angetrieben durch Atomenergie, benutzt. Weiterhin wird Wasserstoff auch bereits als Energiequelle für Autos benutzt. Es kann Heizungen befeuern oder Maßen in das Erdgasnetz eingespeist werden. Lässt man Wasserstoff mit Kohlendioxid (CO²) aus der Luft, oder aus einer Biogasanlage reagieren, entsteht Methan (oder künstliches Erdgas) welches sich im Erdgasnetz gut einbringen lässt. Das chemische Verfahren ist schon lange bekannt und hat sich bewährt.

Daneben gibt es ein biologisches Verfahren zur Herstellung von Methan aus Wasserstoff: spezialisierte Mikroorganismen fressen das CO² und den Wasserstoff und verwandeln ihn in Methan. Dieses Methan kann nicht nur den privaten Haushalt versorgen, sondern auch in Gaskraftwerken zur Anwendung kommen. Letztendlich kommt es darauf an, in die entsprechende Speichertechnik zu investieren.

Foto: Tamás, Iván. Aufnahme: 15.06.2017. pixabay.com. Zugriff: 02.12.2018

1 KOMMENTAR

  1. Ambitionierte Ziele im Bereich Klimaschutz
    Keine Umweltpolitik ist nachhaltig, wenn sie nicht auch sozial ist.

    Das von Ecolo eingebrachte Dokument zu einem ehrgeizigeren Klimaziel in der Wallonie kann ich angesichts der viel zu langsamen Umsetzung der Pariser Klimaziele und angesichts der belgischen Blamage bei der Abfassung europäischer Ziele nur befürworten. Belgien hatte sich im Vorfeld der Konferenz von Katowice innerhalb der EU isoliert mit einer Position, die blamabel war und noch ist. Dies wurde von den belgischen Parlamentariern vor Ort in Katowice kritisiert und Belgien wurde aufgefordert, die im interparlamentarischen Dialog festgehaltenen Ziele zu respektieren. Immerhin hatte dieser Dialog zu einer Resolution geführt, die von allen Parlamenten angenommen worden ist. Entsprechend kohärent war es, dies erneut im wallonischen Parlament zu bekunden.
    Ich habe allerdings die Notwendigkeit gesehen, die ambitionierten Klimaziele um eine soziale Komponente zu erweitern. In der Tat darf nicht verschwiegen werden, dass die Umsetzung dieser Ziele erhebliche Anstrengungen nicht nur seitens der öffentlichen Hand sondern auch seitens der Privathaushalte voraussetzt. Nicht jeder kauft so mir nichts dir nichts ein abgasärmeres Auto, ersetzt mal eben seine alte Heizung oder investiert mal eben einige zehntausend Euro in Wärmedämmung – so sinnvoll und dringend solche Investitionen auch sein mögen. Daher bin ich froh darüber, dass auch mein Vorschlag angenommen wurde, dass die Allgemeinheit den Familien zu Hilfe kommt, die über ein geringes oder ein mittleres Einkommen verfügen, wenn es darum geht, konkret in Maßnahmen zu investieren, die zu mehr Klimaschutz führen. Keine Umweltpolitik ist nachhaltig, wenn sie nicht auch sozial ist. Und niemand soll auf dem Weg zu mehr Klimaschutz am Wegesrand stehen gelassen werden. Wenn Klimaschutz ökologisch und sozial gedacht und ausgeführt wird, schafft das mehr Nachfrage und mehr Arbeitsplätze in diesem Bereich.

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