Vorbereitungskurse auf die Aufnahmeprüfung für ein Medizinstudium

Im Schuljahr 2019-2020 organisierte die KAP Vorbereitungskurse, damit interessierte Kandidaten für ein Medizinstudium die Aufnahmeprüfung leichter meistern können. Diese Initiative wird im Schuljahr 2020-2021 fortgesetzt. Die Uni Namur stellt die Unterlagen zur Verfügung und die KAP erteilt in Absprache mit den Teilnehmern die Kurse (bisher samstags, ab dem laufenden Schuljahr jedoch teilweise mittwochs und teilweise samstags). Die Unterrichtsfächer Physik, Chemie, Mathematik und Biologie können gleichzeitig auch als Abi-Vorbereitung dienen. Diese Fächer werden durch einen Französisch-Kurs ergänzt, so dass eventuelle Schwierigkeiten beim Verständnis der Unterrichtsunterlagen soweit möglich behoben werden, insbesondere für das Fach Ethik und Kommunikation. Wer mehr wissen will, ist gebeten, sich unter kontakt@kap-eupen.be oder unter 087/55.30.48 anzumelden.

Das Programm

 

– Physik, Mathematik, Biologie und Chemie : Konzept und Ausführung

In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Medizin der Universität Namur bietet die KAP von November 2019 bis Mai 2020 Kurse in den Fächern Physik, Mathematik, Biologie und Chemie an. Diese Kurse verfolgten den Zweck; interessierte Kandidaten darauf vorzubereiten, die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium zu bestehen. Bekanntlich wird eine solche organisiert, anhand derer entschieden wird, wer in Belgien überhaupt zum Medizinstudium zugelassen wird. Die Medizinstudenten in Deutschland müssen u.a. den Numerus Clausus (NC) überwinden, um zum Studium zugelassen zu werden.

 

Die Fakultät für Medizin der Universität Namur hat die Unterlagen auf Basis der letzten Aufnahmeprüfungen neu entworfen. Auf dieser Basis finden die Vorbereitungen in Eupen statt. Die Autoren der Syllabi haben ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben, diese Materialien nutzen zu dürfen.

 

– Kommunikation und Ethik : Konzept und Ausführung

Da die Aufnahmetests auch ein Kapitel zum Thema Kommunikation und Ethik umfassen, ist es erforderlich, für die deutschsprachigen Studenten einen Kurs in Französisch auf Hochschulniveau durchzuführen. Die dem Test zugrundeliegenden Texte sind sprachlich absolut nicht einfach zu verstehen gewesen, sodass ein besseres Textverständnis erforderlich ist, um diesen Teil des Tests überhaupt bestehen zu können. Französzisch auf Abiturniveau reicht voraussichtlich nicht aus.

 

Das detaillierte Programm findet Ihr als PDF-Dokument mit Angaben von allen Daten mittels Klick auf den Button „Programm“

 

Die Unterlagen sind in französischer Sprache geschrieben. Die Kurse werden in Französisch abgehalten. Grund: die Aufnahmeprüfungen werden in Französisch durchgeführt. Daher ist es sinnvoll, sich frühzeitig daran zu gewöhnen, dass die Prüfungen und die Unterrichte in dieser Sprache stattfinden. Allerdings wird den Interessierten eine Erklärung/Übersetzung in Deutsch angeboten, falls die Verständnisprobleme sprachlicher Art sein sollten.

 

Bis zu 157 Stunden  für das gesamte Programm

Die KAP hat Thomas Zweber (Mathematiker und Physiker) für die Kurse in Physik und Mathematik und Frau Nicole Schneider (Tierärztin) für die Kurse in Biologie und Chemie gewinnen können.132 Stunden sind für die wissenschaftlichen Fächer vorgesehen, und 25 Stunden für C1-Französisch (schriftlich). Diese Stunden finden außerhalb des klassischen Schulprogramms statt. Die Unterrichte finden hauptsächlich samstags teils aber auch während der Osterferien statt.

 

Jeder interessierte Kandidat nimmt an den Unterrichten teil, bei denen seiner Meinung nach ein Bedarf besteht. Keiner ist verpflichtet, das gesamte Programm zu absolvieren. Die Anwesenheit liegt in der Eigenverantwortung der Teilnehmer. Zehn Teilnehmer haben sich bis dato angemeldet.

TERMINE

November – Mai

Samstagsnachmittags

Freitag, den 27.12.2019

Dienstag und Mittwoch, den 14. + 15.04.2020

VERANSTALTUNGSORTE

Eupen

Ein Evaluationsbericht

Schuljahr 2019/2020

Insgesamt hatten sich zu Beginn des Angebots 11 interessierte Schüler eingetragen. Die Kurse wurden frühzeitiger gestartet als letztes Jahr. Ein Schwerpunkt lag bei den Osterferien 2020.

 

Rahmenbedingungen : Es stand jedem frei, an den Kursen teilzunehmen, für deren Inhalte sie besonders eine Hilfestellung benötigten. So kommt es, dass nicht alle an allen Kursen teilgenommen haben.  Das erklärt sich auch teilweise daher, dass das normale Arbeitspensum für das Abitur (inklusive die Endarbeit) nicht immer mit dem Zusatzpensum der Vorbereitungskurse vereinbar waren. Teilweise erklärt sich das auch aufgrund der Corona-Maßnahmen, die es ab dem 15. März zu respektieren galt. Während der akuten Corona-Phase fanden die Kurse großteils online statt.

Die kürzeren Module von 3 bis 4 Stunden samstags wurden als angenehm empfunden. Im letzten Schuljahr wurden aufgrund der kürzeren Dauer kompaktere Samstage angeboten (von 2 mal 3 Stunden für zwei Themen, eines vor- und das andere nachmittags). Allgemein kam das Feedback, die Schüler würden lieber früher und weniger dicht gepackt mit dem Kurs anfangen, auch die 6 Stunden Samstag waren ihnen recht viel, Mittwoch nachmittags 3 Stunden wären ihnen lieber. Das ist eine Anregung für kommendes Schuljahr.

 

Teilnehmer : Die Gruppe war weniger geschlossen als letztes Jahr. Es gab kaum Teilnehmer die immer an den Kursen teilgenommen haben, andererseits haben sich bis in den März hinein neue Teilnehmer eingeschrieben. Es wurde darum gebeten, frühzeitig bekannt zu geben, welche Kurse der Teilnehmer belegen will. Tatsächlich kamen diese Informationen durch die Teilnehmer  kurzfristig, ein bis zwei Tage vor Kursbeginn. Die Schüler kennen sich zum großen Teil untereinander.  Die Schüler sind alle miteinander auf Whatsapp verbunden.

Annick, Jasmin, Adil waren die häufigsten Teilnehmer. Pia hat sich während der Vorbereitung entschieden, nicht Medizin zu studieren. Claudia haben wir nie gesehen. William legt sein Hauptaugenmerk auf Deutschland und ist dementsprechend weniger oft gekommen, um sein Abitur so vorzubereiten, dass er den Numerus Clausus in Deutschland schafft. Andere fahren zweigleisig, also Deutschland und Belgien. Benedicte und ein oder zwei andere Schüler haben trotz der Medizinerprüfung samstags gearbeitet. Daria hat reingeschnuppert, war aber weniger  entschlossen. Dalia eher schon, auch wenn nicht immer zum Kurs kam. Yasemin ist motiviert und hat viel in Eigenregie gearbeitet.

 

Unterrichtsmaterial und Methodik : Alle Teilnehmer erhielten von der Uni Namur überarbeitete Syllabi für die Fächer Physik, Math., Chemie und Biologie.  Gleichfalls stellte die Uni ihre PowerPoint-Unterlagen zur Verfügung. Einige PowerPoint-Präsentationen im Bereich Chemie waren jedoch so aktualisiert, dass die Syllabi und die aktuelle Internetversion nicht mehr miteinander übereinstimmten.

Von Namur aus war es so vorgegeben, dass die Studienanwärter während der Woche die Fragen vorbereiten und der Stoff in der Vorlesung vom Samstag wiederholt wird. So sind die Kurse gestaltet, die von der Uni selbst gegeben wurden.  Die KAP hat sich bedingt an diese Methode gehalten und ist individueller auf den Bedarf der Teilnehmer eingegangen, denn die Anzahl der Folien ist so ausgelegt, dass die veranschlagte Zeit nur reicht, die Folien durchzuziehen, ohne großartig zu erklären, also dicht gepackt, quasi nur zur Auffrischung.

Der Physikunterricht, der als Syllabus von der Uni Namur angeboten wurde, war etwas unübersichtlich und verschiedentlich zu kompliziert im Verhältnis zu den Prüfungsfragen. Er wurde im laufenden Semester überarbeitet.

Im Bereich Ethik und Kommunikation hat die KAP vor allem daran gearbeitet, die Französischkenntnisse der Teilnehmer zu optimieren. In der Tat war es in der Vergangenheit so, dass ethische Fragen auf der Grundlage von Texten gestellt wurden, wobei die Texte auf einem Niveau C1/C2 geschrieben waren. Auf die Fragen zu antworten fiel denen schwer, deren Französischkenntnisse zu gering oder zu schwach ausgeprägt waren.

 

Lockdown : Bedingt durch den Lockdown im Rahmen von Corona wurden weitere Inhalte auf der Plattform der Universität Namur zugänglich gemacht, insbesondere die Methodik, die ansonsten schwer zu vermitteln war – aber eben erst nach dem Lockdown. Auch wurden zusätzliche Inhalte in Physik und Mathematik eingepflegt.

Von Namur aus war es ursprünglich so wie letztes Jahr geplant, dass in Chemie die Studienanwärter während der Woche die Fragen vorbereiten und der Stoff in der Vorlesung vom Samstag wiederholt wird. Diese Vorgehensweise hat sich natürlich durch den Lockdown ab März verschoben, denn für Chemie wurden online-Vorlesungen erarbeitet, welche die Referentin den Kursteilnehmern per Link aus einer Cloud zur Verfügung gestellt hat, so dass sie Zugang zu weit mehr Inhalten als das Jahr zuvor hatten. So gesehen ist ihnen dadurch kein Nachteil durch den Lockdown entstanden. Im Gegenteil, sie hatten diesbezüglich die gleichen Möglichkeiten wie die Kursteilnehmer aus Namur; sie waren zudem deutlich freier, was den Zeitpunkt der Bearbeitung betrifft.

Da die erste Prüfungsserie von Juni auf Ende August/Anfang September verschoben wurde, konnte den Teilnehmern das Angebot gemacht werden, während der Sommerferien den Stoff weiter zu vertiefen. Das haben die Kandidaten für die Aufnahmeprüfung im Wesentlichen in Eigenregie gemacht.

 

Einschätzung der Teilnehmer : Es gab zwei oder drei Teilnehmer, die sich von vornherein Illusionen über das Medizinstudium und Test hingegeben haben. Mit marginalen Vorkenntnissen in Biologie, Chemie und Mathematik, weil man Kunst als Abiturfach hatte, ist die Prüfung kaum zu schaffen. Auch aus einem völlig fremden Fachbereich kommend, wenn man schon mehrere Jahre im Berufsleben gestanden hat, ist es quasi unmöglich, das Pensum zu lernen.

Der Inhalt der vier Syllabi für die Fächer Physik, Math, Chemie und Biologie war ähnlich schwer wie letztes Jahr; jedenfalls nur Stoff des 3. bis 6. Jahres. Biologie wurde diesmal nur begrenzt angeboten. Chemie wurde mehr angeboten, war aber von beschränktem Nutzen, denn die meisten Schwierigkeiten sind im Bereich Physik, Mathematik und Französisch abzusehen.

Wichtig war für mein Dafürhalten, dass die Schüler sich mit der Fragenstellung vertraut gemacht haben  und schon einmal eine Strategie entwickeln konnten, wie man am besten antwortet.

Die ursprüngliche inhaltliche Planung wurde teilweise nicht eingehalten, sondern in Absprache mit den Schülern variiert, um ihren Bedürfnissen am ehesten entgegen zu kommen. So wurden die Module Biologie und Chemie schneller durchgesehen, damit mehr Zeit für Physik und Math. entstehen kann.

Die französische Sprache hat den häufig anwesenden Schülern kein Problem bereitet.

 

Einschreibemodalitäten : Die Referentin, Frau Nicole Schneider (Dr. der Tiermedizin), hat den Schülern und Schülerinnen nahe gelegt, sich auf der Seite der ARES einzuschreiben. Wichtig war insbesondere die Hintergrundinformation zum Ablauf der Prüfung.

Von einem Teilnehmer erhielt ich die Mitteilung, dass die Vorbereitung durch die Universität Lüttich weniger umfassend sei als die durch die Universität Namur. Dieses Jahr wollten die Teilnehmer nach eigenen Angaben tatsächlich alle in Belgien studieren.

Unklarheiten herrschten bezüglich der Einschreibemodalitäten auf der Internetseite der übergeordneten Prüfungskommission ARES. Die Tiermediziner haben inzwischen eine andere Prüfung.

Das Zeitfenster für die Einschreibung ist klein, man sollte die Seite abonnieren, um immer informiert zu bleiben.

Zitat einer Teilnehmerin : „mir hat der Kurs gut gefallen und ich fand die Zeiten optimal und gut verteilt. Die Übungen konnten gut mit den dazugehörigen Büchern gelötet werden. Die Ethik Kurse sind auch ein sehr wichtiger Teil der zum Glück von der KAP mit einbezogen wurde. Leider ist der Kurs im Abitur keine optimale Voraussetzung und ich würde es denjenigen empfehlen die ein Jahr Wartezeit haben oder noch im 5. Sekundar sind. Meiner Meinung nach wurde der Kurs gut organisiert, ich würde ihn wieder machen, auch wenn ich 2020 von keiner Universität angenommen werde.

Das verstehen wir als Hinweis, dass das Arbeitspensum für das Abitur und das zusätzliche Arbeitspensum der Vorbereitungskurse eine Überforderung darstellen können. Die Empfehlung, das Angebot bereits im 5. Sekundarjahr zu starten und es somit über eine längere Dauer zu strecken, verdient eine gründliche Überlegung.

 

Quelle : Bericht der Referenten und von Teilnehmern

TEILNEHMER-FEEDBACK

Else Cogan, emiritierte Professorin der ULB, wirft die Frage auf, ob die Bewertung der Empathie im Rahmen der Aufnahmeprüfungen für Medizinstudenten überhaupt Sinn macht. Die wissenschaftlichen Kenntnisse abzufragen, könne ja Sinn machen, doch gilt laut der Professorin die Bewertung der Empathie bei 18jährigen mittels eines Fragebogens mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten  als unangebracht und diskriminierend. Alle Studien hätten ergeben, dass bei 18jährigen die Empathie bei den jungen Damen immer höher liegt als bei den jungen Männern. Im Verlauf des Studiums jedoch nähme die gefühlsbetonte Empathie bei den jungen Frauen kontinuierlich ab während sie sich bei den jungen Männern progressiv aufbaut. Immerhin sei dies ein Thema, das erst während des Studiums fachgerecht erarbeitet werden kann und nicht bereits zu Beginn vorliegen muss.  
Else Cogan, emiritierte Professorin der ULB
Else Cogan, emiritierte Professorin der ULB

Wer mehr zur Stellungnahme der Professorin lesen möchte, kann dies gerne tun indem er klickt auf: Auszug aus LE SOIR, 13. August 2019