Umweltschadstoffe, die krank machen

Foto: Fr. Prof. C. Charlier beim Vortrag vom 19.11.2018 im Heidbergkloster (Eupen)

(Version française ci-dessous/Französische Version unten)

Volksgesundheit geht vor Lobby-Interessen

Sie sind überall und meist dort, wo niemand sie vermutet. Sie kommen direkt mit uns in Berührung, sei es über die Haut, die Atmung oder die Nahrung. Sie setzen uns einem gesundheitlichen Risiko aus und führen, häufig genug, zu chronischen oder akuten Gesundheitsproblemen. Die Professorin der Universität Lüttich, Frau Corinne Charlier (Toxikologin am CHU) referierte auf Einladung der KAP und der beiden Krankenhäuser Ostbelgiens in Eupen zum Thema der „endokrinen Disruptoren“ (Umweltschadstoffen, welche direkt in den Hormonhaushalt des Menschen eingreifen und über diesen Weg gesundheitliche Probleme verursachen, bzw. verursachen können).

Man findet sie dort, wo man sie nicht vermutet. Sie befinden sich in Hygieneprodukten (Zahnpasta, Duschgel, …), in Kosmetika (Lippenstift, Parfüms, Sonnencremes…), in Weichmachern (Plastik, Folien…), bis hin in der Nahrungskette (Getränke, Lebensmittel). Für manche dieser Umweltschadstoffe gibt es Möglichkeiten, ihnen auszuweichen. Für andere ist dies schwieriger bis unmöglich. Entscheidend, ob es gelingt, die gesundheitlichen Risiken zu mindern, ist die Frage, wie genau wir hinschauen bei unseren Einkäufen und ob wir uns ggf. von lieb gewonnenen Gewohnheiten und Produkten trennen werden.

Sie greifen in den Hormonhaushalt ein

Sie agieren, indem sie einen direkten Einfluss auf den Hormonhaushalt des Menschen ausüben, sei es, dass sie körpereigene Hormone blockieren/behindern oder deren Wirkungsweise einschränken, sei es, dass sie selbst hormonähnliche Wirkung entfalten oder die Wirkung der körpereigenen Hormone bis ins Übermaß steigern. Die Forschung befindet sich am Beginn einer Arbeit, die bisher nur erahnen lässt, welchen gesundheitlichen Risiken und Auswirkungen die „endokrinen Disruptoren“ uns aussetzen. Zur besonders exponierten Bevölkerungsgruppe gehören die schwangeren Frauen und Mütter mit Kleinkindern.

Die hauptsächlichen Folgen der Umweltschadstoffe äußern sich teils direkt, teils indirekt (über epigenetische Wirkungsweisen). Zu den direkten Wirkungsweisen gehören die Eingriffe in den Stoffwechsel des Menschen, mit dem Ergebnis, dass es zu einer Epidemie-artigen Häufung von Stoffwechselerkrankungen kommt wie etwa der Diabetes Typ II oder frühkindlicher Adipositas (Fettleibigkeit). Zu den Wirkungsweisen auch gehören Eingriffe in die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern, bis hin zu indirekten¨, epigenetischen Wirkungsweisen, bei der die Genetik dadurch gestört wird, dass die Schadstoffe dazu beitragen, dass ganze Genabschnitte nicht mehr oder nicht richtig gelesen werden können. Die Folgen machen sich teils schnell bemerkbar, z.B. bei der Entwicklung des Fötus, teils zeitversetzt (und manchmal ein bis zwei Jahrzehnte später bei den Nachkommen).

Besonders exponierte Risikogruppen

Eine besonders exponierte Bevölkerungsgruppe sind die schwangeren Frauen und stillenden Mütter, denn diese Schadstoffe wirken besonders bei der Anlage und bei der Reifung des neurologischen Systems während des fötalen Stadiums und im ersten Lebensjahr. Laut Prof. Charlier muss geprüft werden, inwieweit die Zunahme von spezifischen Veranlagungen wie z.B. Autismus, ADHS oder kognitive Beeinträchtigungen mehr auf verbesserte Diagnosemethoden oder eher auf die Wirkungsweise endokriner Disruptoren zurück zu führen sind. Die Schadstoffe können entweder über das mütterliche Blut (über die Nabelschnur) oder über die Muttermilch zum Kind gelangen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist bei Aussagen zu dieser Fragestellung Vorsicht angesagt, weil längst noch nicht alles über die Wirkungsweisen der Umweltschadstoffe bekannt ist.

Zügiges Handeln und unabhängige Forschung gefordert

Die Professorin kritisierte in scharfer Weise die EU-Politik zu dieser Frage. In der Tat lässt die EU sich unendlich viel Zeit (über zehn Jahre), um überhaupt mal festzulegen, was unter dem Begriff eines „endokrinen Disruptors“ zu verstehen ist. Sie schlussfolgert, dass die Politik sich allzu leicht von industriellen Lobbyisten beeinflussen bzw. unter Druck setzen lässt, denen die lukrativen Interessen wichtiger sind als Fragen der Volksgesundheit. Sie fordert daher zügigeres politisches Handeln und unabhängige Forschung, weil sie davon ausgeht, dass die Thematik in absehbarer Zukunft eine Tragweite annimmt, wie sie seinerzeit die Schadstoffe Asbest oder DDT angenommen hatten.

In einer vor zwei bis drei Jahren innerhalb der Provinz Lüttich durchgeführten Studie musste festgestellt werden, dass mehr als 99 % der Teilnehmer einer 250-köpfigen Stichprobe von mindestens einem Schadstoff betroffen sind. Die Kosten dieser Erhebung beliefen sich auf gerade mal 45.000 €. Über die Hälfte der untersuchten Probanden war darüber hinaus von mehreren dieser Schadstoffe betroffen. Wobei manche Schadstoffe schnell ausgeschieden werden, insofern nicht immer wieder neue Schadstoffe aufgenommen werden. Und wobei andere Schadstoffe eine lange Verweildauer im menschlichen Körper haben und daher ihre Wirkung auch Jahre nach der Einnahme noch entfalten können.

Wallonie reagiert

E. Stoffels hatte im Mai dieses Jahres bereits eine Anhörung der Professorin im wallonischen Parlament veranlassen können. Die wallonische Region ist im Rahmen der Zuständigkeiten von der Französischen Gemeinschaft auch für gesundheitliche Vorbeugung zuständig – allerdings nur für die frankophone Bevölkerung (da die DG selber über diese Kompetenz verfügt). In diesem Rahmen hat die Regionalregierung in Namur beschlossen, ein gesundheitliches Monitoring zu dieser Frage mit einem Betrag von einer Million Euro durchzuführen, um anschließend Programme zur gesundheitlichen Vorbeugung aufzulegen.

 

(Version française)

Les polluants environnementaux qui rendent les gens malades

La santé publique passe avant les intérêts des lobbys

Ils sont partout et surtout là où personne ne les soupçonne. Ils entrent en contact direct avec nous, que ce soit par la peau, la respiration ou la nourriture. Ils nous exposent à un risque pour la santé et, assez souvent, entraînent des problèmes de santé chroniques ou aigus. Le professeur de l’Université de Liège, Mme Corinne Charlier (toxicologue au CHU), a été invitée par la KAP et les deux hôpitaux de l’Est de la Belgique à Eupen pour donner une conférence sur le thème des „perturbateurs endocriniens“ (polluants environnementaux qui interfèrent directement avec l’équilibre hormonal des hommes et provoquent ou peuvent provoquer des problèmes de santé).

Les perturbateurs endocriniens sont partout dans notre environnement. Ils entrent dans la composition des produits d’hygiène courante (dentifrice, gel douche…), les cosmétiques (rouge à lèvres, parfums, crème solaire…), dans les plastiques et jusque dans la chaîne alimentaire (boissons, aliments). Il existe des moyens d’éviter certains de ces polluants environnementaux mais pour d’autres, c’est plus difficile, voire impossible. La question décisive pour réussir à réduire les risques pour la santé est de savoir si nous regardons attentivement ce que nous achetons et si nous nous parviendrons à changer des habitudes et des produits que nous avons appris à aimer.

Ils interfèrent avec l’équilibre hormonal.

Les perturbateurs endocriniens agissent en exerçant une influence directe sur l’équilibre hormonal humain, que ce soit en bloquant les hormones naturelles ou en limitant leur mode d’action, soit parce qu’ils développent eux-mêmes des effets de type hormonal, soit qu’ils augmentent de façon excessive l’effet des hormones naturelles. La recherche sur le sujet n’en est qu’à ses débuts mais laisse déjà entrevoir les risques pour la santé auxquels les perturbateurs endocriniens nous exposent. Les femmes enceintes et les mères avec de jeunes enfants sont des groupes de population particulièrement exposés.

L’exposition aux polluants environnementaux entraîne des conséquences directes et indirectes (via des modes d’action épigénétiques). Parmi les effets directs, il y a des interventions dans le métabolisme humain, ce qui entraîne une augmentation épidémique de maladies métaboliques comme le diabète de type II ou l’obésité de la petite enfance. La capacité de reproduction des hommes est aussi affectée. Dans les conséquences indirectes (modes d’action épigénétiques),  les gènes sont affectés car les polluants contribuent au fait que des sections entières de gènes ne peuvent plus être lues ou ne sont pas lues correctement. Les conséquences se font parfois sentir très rapidement (par exemple dans le développement du fœtus) et parfois longtemps après l’exposition (jusqu’à une ou deux décennies plus tard dans la descendance).

Groupes à risque particulièrement exposés

Les femmes enceintes et les mères qui allaitent constituent un groupe de population particulièrement exposé, car ces polluants sont particulièrement influents pendant le développement et la maturation du système neurologique au stade fœtal et pendant la première année de vie. Selon le professeur Charlier, il faut encore vérifier dans quelle mesure l’augmentation des cas d’autisme, de TDAH ou de déficience cognitive peut être attribuée à l’amélioration des méthodes diagnostiques ou au mode d’action des perturbateurs endocriniens. Les substances nocives peuvent atteindre l’enfant soit par le sang de la mère (par le cordon ombilical), soit par le lait maternel. D’un point de vue scientifique, il faut faire preuve de prudence lorsqu’on fait des déclarations sur cette question, car on ne connaît pas tout sur les effets des polluants environnementaux.

Une action rapide et une recherche indépendante sont nécessaires

Le professeur a vivement critiqué la politique de l’UE dans ce domaine. En fait, l’UE met un temps infini (plus de dix ans) pour définir ce que l’on entend par « perturbateur endocrinien“. Elle en  conclut que la politique est trop facilement influencée par les lobbyistes industriels pour qui les intérêts lucratifs sont plus importants que les questions de santé publique. Elle appelle donc à une action politique plus rapide et à des recherches indépendantes, car elle prévoit que la question prendra prochainement une ampleur similaire à celles de l’amiante ou du DDT par le passé.

Une étude réalisée il y a deux ou trois ans en Province de Liège a révélé que plus de 99 % des participants d’un échantillon de 250 personnes étaient affectés par au moins un perturbateur endocrinien. Le coût de cette étude était de 45. 000 €. En outre, plus de la moitié des sujets testés étaient affectés par plusieurs de ces polluants. Certains polluants sont rapidement excrétés, pour peu qu’ils ne soient pas de de nouveaux absorbés. D’autres polluants séjournent longtemps dans le corps humain et peuvent donc encore déployer leur effet des années après leur ingestion.

La Wallonie réagit

Stoffels avait déjà organisé une audition du professeur au Parlement wallon en mai de cette année. Dans le cadre des compétences de la Communauté française, la Région wallonne est également responsable de la prévention en matière de santé – mais uniquement pour la population francophone (puisque la DG a elle-même cette compétence). Dans ce contexte, le gouvernement régional de Namur a décidé d’effectuer un suivi sanitaire sur cette question pour un montant d’un million d’euros, qui sera suivi de programmes de prévention.

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